Pressestimmen

Sommerliche Musikgenüsse in der Innenstadt

Kinder spielen zusammen Musik beim Musikschultag, während ein Lehrer sie anleitet und das Publikum begeistert zusieht.
Das Percussionensemble von Johannes Reischmann belebte den Klosterhof. GB-Foto: Holom

Einkaufsmusik mal anders – Am Samstag lag in den Gassen der Herrenberger Altstadt Musik in der Luft: Allerorten mischten sich die Mitglieder der Musikschule in den Einkaufstrubel, um zu zeigen, was die örtliche Institution alles zu bieten hat. Manch ein Zuhörer kam ganz gezielt zu den Kurzauftritten, andere stiegen vom Rad oder unterbrachen für einen Moment die Einkaufstour, um den verlockenden Klängen zu lauschen.

Stuhl als Instrument – Unter dem Motto „Rums & Tsching & Ciao“ zeigten die Schüler von Uwe Kühner am Seeländerplatz, dass sich nahezu jeder Alltagsgegenstand in ein Percussioninstrument verwandeln lässt. Mit gut koordinierten Schlägen auf den Boden, die Stühle, die Trommelstöcke und deren Spitzen entlockte das jüngste Ensemble seiner unmittelbaren Umgebung mal leise und mal laute, mal hohle und mal volltönende Klänge. Auch das Spiel mit verschiedenen Rhythmen und Tempi durfte bei „Shime Daiko Nr. 1“ nicht fehlen – und die Wasserspiele im Hintergrund boten eine dazu gut passende Geräuschkulisse.

Bögen tanzen im Wind – Ganz bezaubernde Folkmusik war am Nufringer Tor zu hören. Die neun jungen Streicherinnen und ihre Lehrerin Diana Poppei entführten mit zarten und verspielten Tönen zum Sourwood Mountain, forderten mit den „Three Reels“ zum Tanz auf und nahmen ihre Zuhörer mit dem lichten, energetisch-mitreißenden „Wind Dancer“ zuletzt ganz für sich ein.

Schlager in petto – Als sehr wandlungsfähig präsentierte sich das Erwachsenenbläserensemble, in dem von der Querflöte bis zum Horn, von der Klarinette bis zum Saxofon eine große Bandbreite an Instrumenten vertreten war. Im Gepäck hatten die Musiker unter der Leitung von Michael Kraus eine ergreifende Sarabande und zwei sommerlich-heitere Sätze aus Mozarts Serenade KV 439b, aber auch – „ein kultureller Sprung“ – den wiegenden Schlager „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“, der zum Mitschunkeln einlud. In Luigi di Ghisallos „Song for the Memory“ mischte sich das Läuten der Stiftskirche, aber auch das Rauschen der Blätter und des vorbeibrausenden Verkehrs. Zuletzt ging es nach Lateinamerika mit dem beschwingten Tango „La Cumparsita“ aus der Feder von Gerardo Matos Rodríguez.

Zurück in die 90er – In ein Eldorado für Indierock verwandelte sich derweil der Marktplatz. Mit dem Liquido-Ohrwurm „Narcotic“ beschwor die Musikschul-Band auf der Bühne unter dem Motto „Pop at the Fair“ die 90er Jahre wieder herauf und die Jahrgänge 1975 bis 1985 fühlten sich prompt in ihre Jugendzeit zurückversetzt. Auch ältere Semester und Kinder blieben stehen, als die Orgelklänge zu Coldplays „Fix You“ einsetzten. Interpretiert von den zarten Stimmen der Teenager entwickelten die Chart-Hits ihren ganz eigenen Charme – melancholische Shoegazing-Vibes inklusive.

Mehr Mitglieder gewünscht – Mit gebackenen Laugen-Notenschlüsseln und erfrischenden Getränken lockte der Förderkreis der Musikschule an seinen Stand. 100 Mitglieder zähle er derzeit und würde sich gerne vergrößern, erklärte der Vorsitzende Dr. Wolfgang Kuhn, denn: „Bei 1600 Schülern sind das leider viel zu wenige.“ Mit den vom Verein gesammelten Geldern werden Fortbildungen und Instrumente finanziert, man fördert begabte Schüler oder solche in Notlagen. Zudem existieren drei große Projekte: Der Förderkreis übernimmt die Hälfte der Kosten für die Proben-Wochenenden des Jugendorchesters, er unterstützt die musikalische Grundausbildung von Schülern der Albert-Schweitzer-Schule und rief ein Musikschul-Taxi ins Leben, das Kindergartenkinder zur musikalischen Grundausbildung fährt.

Von der Oper zum Musical – Immer den bunten Noten auf dem Boden und den Musikern mit den Instrumentenkoffern nach erreichte man den Klosterhof, wo in einer lauschigen Ecke zwei Schülerinnen von Cordelia Hanus ein romantisches Duett anstimmten und das heiß ersehnte Abendlüftchen in träumerischen, zum Versinken schönen Melodien herbeisangen. Ergreifend auch die „Arie des Cherubino“ und das „Duett zwischen Susanna und der Gräfin“ aus Mozarts Oper „Figaro“. Freunde der modernen Form der Oper, dem Musical, kamen ebenfalls nicht zu kurz: Bravourös meisterte ein Duo die Höhen im Lied „All I Ask of You“ aus dem „Phantom der Oper“ und der stattlich-noble Kater Bustopher Jones entlockte dem Publikum ein Lächeln, ehe sich das Ensemble mit der ikonischen, hochemotionalen Ballade „Memory“ verabschiedete.

Auf die Schläge 2 und 4 – Unterdessen setzte die Jugendgruppe der Stadtkapelle am Seeländerplatz gerade zum ausgelassenen Finale an: Beim „Mambo No. 5“ wippten die Beine, das Publikum klatschte auf die Zählzeiten 2 und 4 und ein Mädchen vollführte dazu Ballettsprünge. Die Spielfreude, sie sprang an diesem Tag allerorten auf das Publikum über und so forderte man auch von den jungen Bläsern nachdrücklich eine Zugabe.

Gäubote, 13.07.2026

Nadine Dürr